Trauung

Wenn Gott den einen dem anderen als „Ehegabe“ schenkt,
dann hört sich das „sehr alt“ an, führt uns aber mitten hinein in das evangelische christliche Verständnis der Ehe. Martin Luther schreibt von der Ehe: „Im ersten Jahre ist wohl alles köstlich, fröhlich und lustig Ding; man bringt diese Zeit hin mit Lachen und Liebhaben; hernach aber, wenn sich allerlei Jammer und Elend findet, ist es vonnöten, dass man Trost daraus fasse, dass man weiß, dass es gewisslich Gottes Wille sei, dass wir in diesem Stande leben sollen und dass Gott selbst Mann und Weib darin zusammenfüge, dass du gewisslich also bei dir schließen mögest: Diese Frau ist mein Weib, welche ich zur Ehe genommen habe, da es Gott selbst also gewollt, indem er seinen Wohlgefallen darüber bezeugt, und die Engel solches auch bewilligt haben. Danach sollst du Gott um Hilfe bitten, dass er dir vom Himmel wolle Beistand tun, und also wirst du denn die allerschwerste Gefahr und Mühseligkeit, so dir in diesem Stande begegnen mag, überwinden können.“
Mit einem Vergleich aus der heutigen Zeit könnte man vielleicht sagen: Die Ehe ist wie eine Achterbahnfahrt. Immer wenn wir ganz obenauf sind, dann kommt der tiefe Absturz; und immer, wenn wir ganz unten sind und meinen, es gebe keinen Ausweg mehr, dann geht es  ganz langsam wieder hinauf. Deshalb ist es gut einen solchen neuen und wichtigen Lebensabschnitt unter dem Wort Gottes und unter Gottes Segen zu beginnen. Denn die christliche Ehe steht - wie unser ganzes Leben – unter Gottes Gebot und Gottes Verheißung.
Hier nun die ersten Schritte und Überlegungen:  für den gemeinsamen Weg zum Traualtar:

Die Eheschließung auf dem Standesamt


Wo zwei Menschen übereinkommen, einander für immer anzugehören, und ihr Entschluss in öffentlicher Form bestätigt wird, besteht eine rechtmäßige Ehe. Die auf dem Standesamt geschlossene Ehe ist auch nach evangelischer Auffassung gültig. Vom Augenblick dieser Eheschließung an sind die beiden Ehegatten nicht mehr allein durch Neigung, sondern auch durch ein rechtskräftig gegebenes Wort miteinander verbunden. Das macht ihre Zusammengehörigkeit unabhängig von Gefühlsschwankungen, dient der Bestätigung der Ehe  und dem Schutz der Kinder. Zugleich bekräftigt die standesamtliche Eheschließung die Grundgedanken, dass die Ehe dazu bei trägt, dass die Gesellschaft lebensfähig und menschlich bleibt und genießt deshalb  auch ihren Schutz. Die standesamtliche Eheschließung ist die Voraussetzung für eine kirchliche Trauung.

Die kirchliche Trauung

Die kirchliche Trauung ist der Gottesdienst, in dem zwei Glieder der Kirche  vor Gott und seiner Gemeinde ihren Willen zu einer christlichen Ehe aussprechen (Traubekenntnis) und für die gemeinsame Ehe den Segen Gottes empfangen (Einsegnung). Die kirchliche Trauung findet in einem Gottesdienst statt und ist damit grundsätzlich öffentlich.
Gehören die beiden Eheleute verschieden christlichen Konfessionen an, so kann die kirchliche Trauung in der Kirche  und nach der Ordnung eines der beiden Ehepartner stattfinden; es besteht außerdem die Möglichkeit einer gemeinsamen kirchlichen Trauung nach der Ordnung der kirchlichen Trauung für konfessionsverschiedene paare unter Beteiligung der Pfarrer beider Kirchen.
Ist Braut oder Bräutigam nicht Mitglied einer christlichen Kirche, so kann ein Gottesdienst anlässlich der Eheschließung zwischen einem evangelischen Christen und einem Nichtchristen stattfinden.

Ein ganzes Leben lang


Bei der Trauung werden Mann und Frau gefragt, ob sie einander lieben und ehren, in Freud und Leid nicht verlassen  und den Bund der Ehe  heilig und unverbrüchlich halten wollen, bis dass der Tod sie scheidet.
Manche Brautpaare finden es nicht zumutbar, ein so weitgehendes Versprechen abzugeben. Sie wollen ehrlich sein, vor allem gegenseitig. Und sie kennen die Tatsache, dass Ehen zerbrechen können. Sie hoffen, dass ihre Ehe glücklich wird, aber es könnte ja sein …
Es spricht sicherlich für die Ehrlichkeit der Menschen, die sich von dieser alten Formulierung abwenden oder gar nicht erst heiraten, weil sie ein so großes Versprechen nicht abgeben können. Es spricht aber auch von ihren Unsicherheit und ihrer Angst. Und Angst ist kein guter Ratgeber. Manche Ehe zerbricht gerade daran, dass die Partner sich vor Krisen und Konflikten fürchten, sie auszuklammern versuchen, ihnen ausweichen und ihnen gerade dadurch hilflos ausgeliefert sind.
Niemand kann garantieren, dass eine Ehe gelingt. Dennoch: Es lohnt, sich darauf ein zulassen, mit einem Menschen ein ganzes Leben zu teilen. Nicht die unendliche Harmonie macht eine glückliche Ehe, sondern die immer wieder gelungene Überwindung von Spannungen, das Durchstehen  von Streit und das Überwinden von Krisen. Krisen nutzen, Chancen zum neuen Anfang ergreifen – das ist und bleibt das Geheimnis glücklicher Ehen und glücklichen Lebens. Gottes Gabe an uns ist nicht das rasche Glück, das schnell verfliegt, sondern die Liebe, die standhält. Deshalb ist die Antwort auf die Traufrage  auch nicht unser menschliches „Ja“ alleine, sondern das “Ja, und Gott helfe mir. Amen“.

Das Traubekenntnis


Neben dem Trauspruch und der Einsegnung der Ehe steht bei der Trauung das Traubekenntnis der Eheleute im Mittelpunkt. Mit diesem Bekenntnis bekunden sie einander vor Gott und seiner gemeinde, dass sie die Ehe „nach >>Gottes Gebot und Verheißung“ als christliche Ehe unter seinem Segen führen wollen. Dieses Bekenntnis kann  entweder in der Form von Fragen ausgesprochen werden, die der Pfarrer stellt und auf die die Eheleute gemeinsam oder nacheinander antworten. Es kann aber auch durch ein Bekenntnis, das die Eheleute sich gegenseitig vor dem Altar geben, ausgedrückt werden. Zwei Merkmale sind für dieses Traubekenntnis wesentlich: Zum einen, dass die Eheleute ihre  Bereitschaft zu einer lebensklangen Ehe  versprechen, und zum anderen, dass sie sich dafür die Hilfe Gottes erbitten.

Die Segnung der Ehe


Der Segen Gottes ist seine Zusage – durch den Pfarrer ausgesprochen-, das er mit uns auf unserem Weg geht. Deshalb ist die Einsegnung der Ehe das Herzstück der Trauung. Hier gibt Gott durch Menschen den Eheleuten das unverbrüchliche Versprechen, sie in der Zeit ihrer Ehe niemals allein zu lassen, sie in allen Schwierigkeiten zu halten und zu tragen – bis der Tod sie scheidet.

Der Trauspruch


Sie suchen einen Trauspruch, eine Satz aus der Bibel aus, der Sie auf Ihrem gemeinsamen Lebensweg durch die Ehe begleiten soll. Der Trauspruch kann einen Gedanken besonders betonen, z.B. den Gedanken:
Der Gemeinschaft mit Gott: Hesekiel 37,6
„Ihr sollt erfahren, dass ich der Herr bin.“
Der Liebe: 1. Korinther 16,14
„Alle eure Dinge lasst in der Liebe Geschehen!“
Der Freude: Johannes 16,22
„Euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen.“
Der Geborgenheit: Psalm 36,8
„Wie köstlich ist deine Güte Gott, dass Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel Zuflucht haben!“
Des Staunens: Jesaja 28,29
„Des Herrn Rat ist wunderbar, und er führt es herrlich hinaus.“
Des Singens von Gott: Psalm 92,2
„Das ist ein köstlich Ding, dem Herrn danken und lobsingen deinem Namen, du Höchster.“
Des Dankes: Philipper 4,13
„Ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht.“
Der Kraft: Psalm 66,8.9
„Lobet ihr Völker, unsern Gott, lasst seinen Ruhm weit erschallen, der unsere Seelen am leben erhält und lässt unsere Füße nicht gleiten.“
Der Zuversicht: Josua 1,5.6
„Gott spricht: Ich will dich nicht verlassen noch von dir weichen. Sei getrost und unverzagt.“
Der Verkündigung: Kolosser3,16
„Lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen.“
Der Treue: Lukas 16,10
„Wer im Geringsten treu ist, der ist auch im Großen treu.“
Der Nüchternheit: 1.Petrus 1,13
„Seid nüchtern und setzt eure Hoffnung ganz auf die Gnade.“
Des Findens des Weges: Psalm 43,3
„Sende dein Licht und deine Wahrheit, dass sie mich leiten.“
Der Vergeben: Epheser 4,32
„Seid aber untereinander freundlich und herzlich und vergebt einer dem andern, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus.“
Von Gottes Liebe: Römer 8,28
„Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen.“
Von der Zukunft: Lukas 22,32
„Christus spricht: Ich aber habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre.“
Von der Ewigkeit: Psalm 138,8
„Herr, deine Güte ist ewig. Das Werk deiner Hände wollest du nicht lassen.“

Aber das sind nur Anregungen, die den Blick anregen wollen für die Vielfalt. Sie können jederzeit andere Verse aus der Bibel nehmen.

Natürlich können Sie sich auch  auf einer der zahlreichen Internet-Seiten dazu umsehen, zum Beispiel auf www.trauspruch.de .Da werden Sie sicher fündig.

Die Wiedertrauung Geschiedener

Das Scheitern von Ehen ist eine Tatsache. Dazu kann es kommen durch Auseinanderentwicklung in unterschiedlichen Erlebnisbereichen, Entwicklungskrisen, verfehlte Rollenerwartungen, durch schwere Krankheit oder andere Schicksalsschläge. Manchmal gibt es auch Streit um das Geld, die Kindererziehung, die mangelnde Lösung vom Elternhaus, Sucht, Eheunfähigkeit. Wo keine Aussprache weiterhilft, da wi9rd vielleicht der Entschluss zu einer Trennung auch ein Ausweg sein, der die Chance eines Neuanfangs erhoffen lässt. Jesus Christus lehrt uns, dass Scheidung gegen Gottes Wille ist. Aber um der „Herzenshärtigkeit“ der Menschen willen kann sie notwendig werden. Es wäre unmenschlich, um der Unauflöslichkeit der Ehe willen einem Menschen zuzumuten, dass er an der Ehe körperlich oder seelisch zugrunde geht. Wenn erkannt wird, dass aus einer zur Qual und gegenseitiger Quälerei gewordenen Ehe den Partnern kein anderer Au8sweg als die Scheidung mehr bleibt, dann bleibt das Vertrauen darauf, dass Gott Vergebung und einen neuen Anfang schenkt.

Das Traugespräch

Vor der kirchlichen Trauung führt der Pfarrer ein Traugespräch mit dem Brautpaar. Bei diesem Gespräch geht es um den Sinn der kirchlichen Trauung, das christliche Verständnis der Ehe und den Ablauf des Traugottesdienstes. Das Traugespräch sollte rechtzeitig vor der Trauung stattfinden, damit alle Fragen zur Trauung n rechtzeitig geklärt werden können. Bitte rufen Sie im Pfarramt an und vereinbaren Sie einen Termin.

Der Ablauf des Traugottesdienstes

Auch dies ist nur ein „roter Faden“ , ein Vorschlag für die erste Orientierung. Dauer: ca. 1Stunde
1)     Hochzeitsglocken
2)     Einzug
3)     Vorspiel
4)     Grußwort
5)     Lied der Festgemeinde
6)     Eingangsgebet und Stilles Gebet
7)     Musik
8)     Trauansprache zum Trauspruch
9)     Lied der Festgemeinde
10)    Schriftlesung
11)    Musik
12)    Rüstgebet
13)    Traufragen
14)    Ringwechsel
15)    Trausegen
16)    Traugebet
17)    Musik
18)    Abendmahl
19)    Übergabe der Traubibel
20)    Lied der Festgemeinde
21)    Segen für die Festgemeinde
22)    Nachspiel und Auszug